Herr Bödeker, in welcher Verfassung startet die Sensor- und Messtechnik auf die Zielgerade zur Sensor+Test? Wie ist der Trainingszustand?
Deutlich besser als vor einem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt, wenn man bei dem Beispiel bleiben will, fühlten sich die Unternehmen aus der Sensor und Messtechnik wie Absteiger. Der Trainingszustand war zwar gut, allerdings gab es nichts zu verwandeln. Alle Kunden haben ihre Lager leer gefahren. Das heißt, das erste Quartal 2009 war grauenvoll. Und das sieht jetzt ganz anders aus. Dieser unglaublich rapide Abwärtstrend, den die Branche so noch nie erlebt hatte, den gibt es nicht mehr. Das Vertrauen in den Wiederaufstieg ist aber noch nicht so richtig da.
Ist die Krise überwunden?
Ich glaube ja. Die Härte der Krise hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sich die Reaktionszeit vieler Unternehmen auf solche Situationen erheblich verkürzt haben: Sie treffen in kurzer Zeit auch radikale Maßnahmen, stornieren lange geplante Aufträge – oder direkt vor einer Messe fest gebuchte Stände, wie wir es auf der Sensor+Test 2009 erlebt haben. Egal was vorher war, egal was investiert wurde: es wurde auf breiter Front gestrichen und gestoppt, nicht nur im Marketing, auch bei Projekten und Bestellungen.
Glücklicherweise löst sich diese Situation nun schrittweise wieder auf. Es hat zwar in der Branche hier und da Entlassungen gegeben, die meisten Unternehmen sind aber mit einem blauen Auge davon gekommen und haben dabei vielfach gezeigt, dass sie sich in solchen Krisen zu verhalten und ihre Zeit zu nutzen wissen. Fast alle haben in der Zeit ihre Hausarbeiten gemacht. Die Ergebnisse davon werden wir in vielfältiger Form auf der Messe sehen können.
Welche Themen werden sich herausschälen? Macht die Krise erfinderisch?
Natürlich macht die Krise erfinderisch. Es hat auch in der Krise Branchen gegeben, die sich positiv entwickelt haben, zum Beispiel in interessanten Bereichen wie der Medizintechnik. Da haben Unternehmen auch in 2009 teilweise deutliche Zuwächse erreicht, denn auch hier dringt die Automatisierung vor. Denken Sie nur einmal an das Stichwort Telemedizin. Woher soll ein Arzt wissen, in welchem Zustand sich der Patient befindet, wenn er ihn nicht vor sich hat? Das geht nur mit Sensorik und Messtechnik. Aber es gibt auch in anderen Bereichen eine Menge zu tun und erfinderisch macht die Krise auch insofern, dass sich mancher nach neuen Zielmärkten für seine Produkte umgeschaut hat.
Auch das Schwerpunktthema der Sensor+Test 2010 – Energieeffizienz – bietet dafür vielfältige Chancen. Wir müssen unsere Ressourcen so einsetzen, dass wir eine nachhaltige Energiewirtschaft hinbekommen, und einen Kreislauf schaffen, der auch in Jahrzehnten und Generationen noch funktionieren wird. Die optimale Nutzung vorhandener Ressourcen ist ohne moderne Sensorik und Messtechnik nicht möglich. Hier bietet unsere Branche Schlüsseltechnologien für die Lösung zukunftsrelevanter Aufgaben und die wollen wir vorstellen. Die Krise hat viel Geld gekostet und Energieeffizienz heißt ja immer auch Kosteneffizienz. Einer unserer Aussteller hat bei flächendeckendem Einsatz seines Messsystems ein Einsparpotenzial von jährlich mehreren hundert Millionen Euro errechnet. Das macht doch hellhörig – und es gibt diverse Anwendungsgebiete, wo das so ist. Die Sensor+Test wird dazu einige gute Beispiele zeigen.
Wie will der AMA Fachverband das unterstützen? Welche Aktionen gibt es auf der Messe?
Wir werden auf der Messe ein Forum zur Energieeffizienz haben, auf dem wir alle Aspekte zu diesem Thema zusammenführen werden und wo sich Anbieter mit speziellen Ständen präsentieren. Auch Unternehmen, die auf der Messe bereits an anderer Stelle vertreten sind, können hier noch einmal auf ihre spezifischen Leistungen zum Thema Energieeffizienz hinweisen. Dazu wird es für die Besucher eine Guided Tour geben, die sie zu allen Ständen mit entsprechenden Exponaten führt. Da gibt es bei uns einiges zu sehen, was man sonst nirgendwo sehen kann und wir sind uns sicher, dass alleine schon dieses Thema einen Messebesuch lohnend macht.
Welche weiteren Schwerpunkte sehen Sie für die Zukunft
Ich möchte da gerne zwei herausheben, über die im Moment viel diskutiert wird. Eines ist die Usability. Hier ist es das Ziel, die Technologie in ihrer Handhabung weiter zu vereinfachen, damit sie noch größeren Nutzen entfalten kann. In Entwicklung, Betrieb und Wartung erschließen zum Beispiel automatisch kalibrierende, selbstorganisierende Sensornetzwerke, benutzerfreundlichere Messtechnik oder intuitiv bedienbare Prüfsysteme neue Aufgaben. Automatische Signalverarbeitung und die Reduktion der Messergebnisse zu einer Aussage, die der Anwender sofort nutzen kann, sind hier wichtige Entwicklungsfelder. Er will ja beispielsweise wissen, wie lange eine Maschine noch läuft, ohne dazu erst Temperaturen oder Schwingungen auswerten zu müssen. Da ist noch viel zu tun.
Der zweite Schwerpunkt ist die Sicherheit. Auch das ist ein weites Feld für Sensorik und Messtechnik. Es reicht von Gemüse und Fleisch, dessen Frische mit ihrer Hilfe bis in die Hand der Verbraucher sichergestellt wird bis hin zu kleinsten Rückständen von Sprengstoff, die sich am Flughafen detektieren lassen.
Was erwartet der Besucher von heute, wie stellt sich die Sensor+Test darauf ein?
Wir stellen fest, dass die Besucher immer weniger an Hochglanzprospekten neuer Produkte interessiert sind. Sie kommen mit individuellen Anforderungen auf die Messe, mit klaren Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Und dafür suchen sie eine Lösung, einen Partner, der ihnen hilft. Ganz häufig sind es komplexe Anforderungen, die man nicht mit einem Datenblatt oder einem Prospekt beantworten kann. Darüber muss man diskutieren. Der Nutzen des Besuchers macht die Messe attraktiv. Hier kann er potenzielle Anbieter im direkten Vergleich auf Herz und Nieren testen. Papier und Internet sind geduldig – erst das Gespräch von Mensch zu Mensch zeigt, ob die Kompetenz passt.
Die Übersichtlichkeit der Sensor+Test ist ebenfalls von Vorteil. Die Wege sind kurz und die Aussteller konzentrieren sich auf das Wesentliche – ihre Beratungskompetenz. Davon haben sie dank interdisziplinärer Teams und anwendungsübergreifender Erfahrung sehr viel. Das unterscheidet uns von einer Branchenmesse. Bei uns gibt es einfach mehr Zeit für Antworten, besonders auf Fragen, die tief in die Technik gehen.