26. JUNI 2016

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»Starkes Verkaufsargument«


Interview

Nicolas Beck - Er führt gemeinsam mit seinem Bruder Christian die eidgenössische Beck Automation AG, Oberengstringen, die sich auf das In-Mould-Labelling (IML) spezialisiert hat. Als Marketing- und Verkaufsleiter berichtet Beck über die Vorteile von IML gegenüber anderen Dekorations- oder Verpackungstechniken und über die Trends in der Ident-Szene.
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Herr Beck, wie liefen im letzten Jahr die Geschäfte mit In-Mould-Labelling für Ihr Unternehmen?
Das Jahr 2012 hat gezeigt, dass In-Mould-Labelling weiter an Boden gewinnt. Wir haben etwa vierzig Anlagen ausgeliefert, sodass nun rund 550 Automatisierungseinheiten von uns im Markt sind. Einige davon laufen seit über fünfzehn Jahren. Dominant war nachwie vor der Food-Bereich mit rund sechsundsechzig Prozent. Das restliche Drittel waren Lösungen für Behälter mit Farben oder Ölen, für technische Teile und mit einem gewissen Anstieg der Bereich Kosmetik. Wir waren also recht zufrieden mit dem vergangenen Jahr.

Warum entscheiden sich immer mehr Unternehmen, In-Mould-Labeling einzusetzen, selbst wenn klassische Dekorationen preiswerter sind?
Die moderne Verpackung hat längst die reine Funktionalität überwunden und ist Kommunikationsmittel. Hierbei können verschiedene Aspekte eine Rolle spielen. Zum einen haben Verpackungen heute nicht mehr nur funktionale Aufgaben, sondern stellen ein eigenständiges Kommunikationsmittel dar. Preis und Verpackung eines Produkts entscheiden am Point-of-Sales über den Ausgang der Kaufentscheidung. Zum anderen kann In-Mould-Labelling aufgrund seiner fotorealistischen und hochwertigen Signalisierung einen starken Impuls bei der Wahrnehmung eines Produktes setzen. Im Food-Bereich zum Beispiel impliziert eine frische, mit Wasser benetzte Erdbeere beim Konsumenten »Frische«. Das kann helfen, sich im Umfeld der Wettbewerbsprodukte durchzusetzen. Zum anderen ist man mit IML sehr flexibel bei neuen, zusätzlichen oder aktionsbedingten Motiven und deren Variationen. Beim Mehrfarbendruck ist das schwieriger und auch nicht unbedingt preiswerter.

Damit hören die Vorteile keineswegs auf: Bei Farbbehältern steigen Hersteller von Metalldosen mit konventionellen Etiketten oder Bedruckungen auf Kunststoffbehälter mit In-Mould-Labelling um. Auslöser ist neben den bereits genannten Argumenten zusätzlich der ökologische »Fußabdruck«. Er sinkt, weil die Farbbehälter leichter sind und nun weniger Energie beim Transport verbrauchen. Ein weiteres Beispiel ist die Aufwertung einer Thermoforming-Verpackung im Food-Bereich. Der Anbieter wechselt zu einer spritzgegossenen Verpackung mit IML. So wertet er sein Produkt optisch auf.

Welche Trends sehen Sie bei den IML-Folien?
Tatsächlich gibt es neue Folien: Bei unseren Partnern, wie der Druckerei Verstraete aus Maldegem in Belgien, kommen immer mehr IML-Etiketten mit Metallic-Look zum Zuge. Ganz oben in der Gunst stehen derzeit Farben wie Gold oder Silber. Diese UV-beständigen Metallic-Töne erreichen Anmutungen, die dem Rotationstiefdruck und dem Flexodruck nachkommen. Unilever war hier der Vorreiter für Margarinebecher mit Metallic-IML. Das dürfte eine wichtige Option zur Gestaltung werden, vielleicht auch außerhalb des Food-Bereiches. Ich denke da an Kosmetikverpackungen, die sehr hochwertige Gold- und Silber-dekorationen erwartet.

Zurück zur Automationstechnik. Was verlangt der Kunde heute?
Die Kunden erwarten im Prinzip drei Dinge: Erstens Zykluszeitverbesserungen mit hohen Kavitätenzahlen. Zweitens eine hohe Verfügbarkeit und drittens generell eine ausgeprägte Prozesskonstanz und Prozesssicherheit.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen schnell und sicher?
Unsere derzeit installierten Anlagen arbeiten oft an sieben Tagen und das 24 Stunden, also rund um die Uhr. Darunter sind noch Anlagen aus den Jahren 1997/1998. Dazu braucht es ausgereifte Konstruktionen, die den hohen dynamischen Anforderungen gerecht werden. Wir setzen bei der Steuerung und den Antrieben auf modernste Technik, um die Bewegungen schnell, dynamisch und positionsgenau ausführen zu können. Ein wesentlicher Punkt ist auch unsere Erprobung und Simulation. Ein Anlagenelement wird in Testreihen auf Herz und Nieren geprüft, ehe wir es für eine Konstruktion verwenden. Gerade wenn die mechanischen Belastungen steigen, darf es in Bezug auf die Langlebigkeit der Automation keine Kompromisse geben. Auch bei der Ferndiagnose hat sich einiges getan, um unseren Kunden schnell und punktgenau helfen zu können. Servicefaktoren sind heute in der Wahrnehmung durch die Kunden sehr relevant.


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aut 02/2013
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